15. Juni 2026

Der Leitfaden für Druckfachleute zum Thema Trapping: Grundlagen, Standards und Vergleich der einzelnen Verfahren

Der Leitfaden für Druckfachleute zum Thema Trapping: Grundlagen, Standards und Vergleich der einzelnen Verfahren

Stellen Sie sich zwei Puzzleteile vor, die so zugeschnitten sind, dass sie Kante an Kante genau zusammenpassen. Auf einem Tisch liegen sie perfekt aneinander. Verschiebt sich der Tisch jedoch auch nur um einen Bruchteil eines Millimeters, wird die Lücke zwischen ihnen sichtbar und das Bild zerfällt. Genau dieses Problem soll durch das Trapping im Druckwesen gelöst werden.

Bei jedem mehrfarbigen Druckauftrag werden mehrere Druckplatten, Siebe oder Druckstationen eingesetzt, die in einzelnen Durchgängen unterschiedliche Farben auftragen. Keine Druckmaschine der Welt erreicht über die gesamte Auflage hinweg eine perfekte Passgenauigkeit. Durch das „Trapping“ – die Technik, bei der absichtlich winzige Überlappungen zwischen benachbarten Farben erzeugt werden – wird verhindert, dass diese unvermeidlichen Passgenauigkeitsabweichungen auf dem fertigen Druck zu sichtbaren weißen Lücken führen. Das ist keine gestalterische Spielerei, sondern eine überlebenswichtige Fertigkeit in der Produktion.

Dieser Leitfaden behandelt das Thema Trapping von den Grundlagen bis hin zu prozessspezifischen Standards und bietet einen prozessübergreifenden Vergleich, den Sie sonst nirgendwo auf einer einzigen Seite finden. Ganz gleich, ob Sie eine Flexodruckmaschine bedienen, die Druckvorstufe für den Offsetdruck leiten oder Maschinen für eine Verpackungslinie bewerten – dieser Leitfaden ist genau das Richtige für Sie.

Arbeiter der KETE-Gruppe bedienen Hochgeschwindigkeitsmaschinen

Was versteht man unter „Trapping“ im Druckwesen?

Das „Trapping“ (in der chinesischen Druckvorstufen-Terminologie auch als „Color Trapping“, „Spreads“ und „Chokes“ bezeichnet) ist eine Technik der Druckvorstufe, bei der eine kleine, beabsichtigte Überlappung zwischen zwei benachbarten Farben im Drucklayout erzeugt wird. Ihr einziger Zweck: zu verhindern, dass unschöne weiße Lücken – sogenannte „Flashes“ oder „Halos“ – an den Farbgrenzen entstehen, wenn die Druckmaschine unvermeidlich aus dem exakten Passgenauigkeit herauskommt.

Um zu verstehen, warum das Trapping notwendig ist, muss man sein Gegenteil verstehen: den Ausschnitt. Beim Mehrfarbendruck wird, wenn ein Vordergrundobjekt (z. B. gelber Text) auf einem farbigen Hintergrund (z. B. dunkelblau) liegt, der Hintergrund nicht als durchgehendes Rechteck unter dem Text gedruckt. Stattdessen wird aus der Hintergrundplatte ein „Loch“ ausgeschnitten, das genau der Form des Textes entspricht. Das ist der Ausschnitt. Der gelbe Text wird dann in dieses Loch gedruckt. Theoretisch füllt das Gelb das Loch perfekt aus. In der Praxis sind die gelbe und die blaue Platte jedoch fast nie auf den Mikrometer genau aufeinander ausgerichtet. Das Ergebnis: ein schmaler weißer Spalt, durch den das Papier zwischen den beiden Farben hindurchscheint.

Das Trapping behebt dieses Problem, indem entweder der Vordergrundbereich etwas vergrößert (Spread) oder die Aussparung etwas verkleinert (Choke) wird, sodass sich die beiden Farben um einen Bruchteil eines Millimeters überlappen. Diese Überlappung stellt sicher, dass selbst bei Passungsabweichungen kein weißer Spalt entsteht, da von vornherein kein Spalt vorhanden ist. Die Überlappung selbst ist für das bloße Auge in der Regel nicht erkennbar, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Die hellere Farbe dehnt sich immer in die dunklere Farbe hinein aus.

Die goldene Regel des Fallenstellens
Die hellere Farbe dehnt sich immer in Richtung der dunkleren Farbe aus. Wenn gelber Text auf einem dunkelblauen Hintergrund steht, breitet sich das Gelb um die Trap-Breite nach außen aus – das menschliche Auge nimmt eine weiße Lücke, die das Dunkelblau durchschneidet, weitaus stärker wahr als eine leichte Verdickung einer hellen Form. Dieses eine Prinzip bestimmt die Trap-Richtung in praktisch jedem Fall.

Dies ist keine Erfindung des digitalen Zeitalters. Das Trapping gibt es schon so lange wie den Mehrfarbendruck selbst – von den frühesten Lithografiedruckmaschinen bis hin zu den heutigen Hochgeschwindigkeitsanlagen für Flexo- und Tiefdruck. Was sich geändert hat, ist, wer es macht, wie es gemacht wird und inwieweit es automatisiert ist. Was sich nicht geändert hat, ist, warum es wichtig ist: Drucken ist ein physikalischer Prozess, und physikalische Prozesse sind niemals perfekt.


Warum die Druckregistrierung fehlschlägt Das Problem, das durch Trapping gelöst wird

Bevor man intelligent gegen Verzerrungen vorgehen kann, muss man verstehen, wogegen man vorgeht. Fehlausrichtung – das Versagen der Farbseparationen, sich präzise auszurichten – hat drei Hauptursachen. Keine davon lässt sich vollständig beseitigen, sondern nur minimieren und ausgleichen.

Instabilität des Untergrunds

Papier und Folie sind keine inerten Materialien. Papier dehnt sich bei Feuchtigkeit aus und zieht sich zusammen. Eine Änderung der relativen Luftfeuchtigkeit um 10% kann dazu führen, dass sich ein Blatt Offsetpapier über seine Breite um 0,1 bis 0,3 mm ausdehnt oder zusammenzieht. Das reicht aus, um einen sichtbaren Spalt zwischen Farben zu erzeugen, die in der digitalen Datei noch perfekt aufeinander abgestimmt waren. Beim Flexodruck auf dünnen Polymerfolien (PE, PP, PET) ist die Situation noch schlimmer: Allein die Bahnspannung kann das Substrat während des Drucklaufs um 1% bis 2% dehnen. Bei einer Bahnbreite von 1.000 mm entspricht dies einer Maßänderung von bis zu 20 mm zwischen der ersten und der letzten Druckstation. Keine Überdruckstrategie kann eine Verzerrung dieser Größenordnung vollständig ausgleichen, doch die richtige Überdruckbreite kann den verbleibenden Passfehler ausgleichen, nachdem die Bahnspannungsregelung ihr Bestes geleistet hat.

Die Temperatur verschärft das Problem noch. Die Wärme der Trocknungssysteme, die Reibung der Walzen und sogar die Schwankungen der Raumtemperatur im Drucksaal im Laufe einer Schicht tragen alle zur Bewegung des Bedruckstoffs bei. Eine Folienrolle, die um 8 Uhr morgens bedruckt wurde, kann anders ausfallen als dieselbe Rolle um 14 Uhr.

Mechanische Variation

Jede Druckmaschine unterliegt mechanischen Toleranzen. Plattenzylinder weisen Rundlaufabweichungen auf. Zahnräder haben Spiel. Lager verschleißen. Der Anpressdruck variiert über die Breite des Zylinders. Im Offsetdruck führt der Spalt zwischen den Gummitüchern zu eigenen Schwankungen. Im Flexodruck wird das Plattenbefestigungsband je nach Alter, Härtegrad und dem Bediener, der es angebracht hat, unterschiedlich komprimiert. Im Tiefdruck nutzt sich die verchromte Zylinderoberfläche allmählich ab, wodurch sich das Zellvolumen und damit die Farbübertragungseigenschaften verändern.

Diese mechanischen Faktoren führen zu Passungsfehlern, die bei einer gut gewarteten Bogenoffsetdruckmaschine bei ±0,05 mm liegen, bei einer älteren, mit hoher Geschwindigkeit laufenden Stapelflexodruckmaschine jedoch bei ±0,2 mm oder mehr. Die Überlappungsbreite muss auf die jeweilige Druckmaschine abgestimmt werden und darf nicht aus einem Lehrbuch übernommen werden.

Verhalten der Tinte

Verschiedene Druckfarben verhalten sich unter dem Druck und bei den Geschwindigkeiten einer Produktionsdruckmaschine unterschiedlich. Hochviskose Druckfarben (wie z. B. schwere, deckende Weißtöne, die im Siebdruck als Untergrundfarben verwendet werden) dehnen das Siebgewebe stärker aus als niedrigviskose Prozessfarben, was im Laufe eines Druckauftrags zu einer fortschreitenden Passerschwankung führt. Beim Nass-in-Nass-Offsetdruck kann die Klebkraft einer zuvor gedruckten Farbe Fasern von der Papieroberfläche abziehen oder sogar die Farbe aus einer vorhergehenden Druckstufe „aufnehmen“. Im Tiefdruck beeinflusst die Trocknungsgeschwindigkeit der lösungsmittelbasierten Farbe die Punktvergrößerung und damit die sichtbare Überdruckbreite.

Instabilität des Untergrunds
Papier und Folie dehnen sich bei Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur aus und ziehen sich wieder zusammen, was zu Maßänderungen führt, die die Farbabstimmung über die gesamte Auflage hinweg beeinträchtigen.
Mechanische Variation
Der Rundlauf des Plattenzylinders, das Zahnradspiel, der Lagerverschleiß und die Kompression des Plattenbefestigungsbands führen zu Passungsfehlern, die sich über die Druckstationen hinweg summieren.
Verhalten der Tinte
Die Viskosität, die Klebrigkeit und die Trocknungsgeschwindigkeit der Druckfarbe variieren je nach Farbe und Druckverfahren, was sich auf die Punktvergrößerung und die effektive Überdruckbreite während des gesamten Drucklaufs auswirkt.

Das Einpassen ist kein Eingeständnis, dass Ihre Druckmaschine den Passgenauigkeit nicht gewährleisten kann. Es ist die technische Erkenntnis, dass keine Druckmaschine eine perfekte Passgenauigkeit gewährleisten kann, und die kluge Lösung besteht darin, die Druckvorlage so zu gestalten, dass kleine Passgenauigkeitsfehler unsichtbar bleiben und keine katastrophalen Folgen haben.


Die Kernmechanismen: Spread, Choke und Overprint

Wenn man das Trapping auf seine mechanischen Grundlagen reduziert, gibt es nur drei Schritte. Jede Entscheidung zum Trapping in jedem Druckverfahren ist eine Variante oder Kombination dieser drei Schritte. Die Kunst besteht darin, zu wissen, welche man in welcher Richtung und in welchem Umfang anwendet.

Bevor wir uns die einzelnen Techniken näher ansehen, sollten Sie sich die goldene Regel verinnerlichen, die für alle gilt: Die hellere Farbe überlagert immer. Das menschliche Sehsystem nimmt Kanten in erster Linie über den Helligkeitskontrast wahr. Wenn sich der Rand einer dunklen Form um 0,1 mm verschiebt, nimmt das Auge dies wahr. Verschiebt sich der Rand einer hellen Form um denselben Betrag, bleibt dies unbemerkt. Dieses eine Prinzip bestimmt die Richtung der optischen Täuschung in praktisch jedem Fall.

Hier ein kurzer Entscheidungsleitfaden: Befindet sich das hellere Element im Vordergrund, verwende eine Streuung. Befindet sich das hellere Element im Hintergrund, verwende eine Dämpfung. Ist eine der Farben Schwarz, ziehe vor allem anderen den Überdruck in Betracht. Der Rest ist reine Umsetzung.

Rahmenkonzept für schnelle Entscheidungen
Spread Wenn das hellere Element im Vordergrund liegt, dehne es nach außen in den dunkleren Hintergrund hinein
Choke Wenn das hellere Element den Hintergrund bildet, verengen Sie die Aussparung nach innen, sodass der dunklere Vordergrund die Kante definiert
Überdrucken Wenn eine Farbe Schwarz oder Metallic ist, lassen Sie die dunklere Farbe ohne Aussparung direkt darüber drucken; dadurch wird die Passungsgrenze vollständig beseitigt

Verteilen Die hellere Farbe nach außen ausdehnen

Ein „Spread“ funktioniert genau so, wie es klingt: Das hellere Objekt im Vordergrund wird leicht vergrößert, sodass es über seine eigentliche Begrenzung hinaus in den dunkleren Hintergrund hineinragt. In der Vektorgrafik bedeutet dies, dass dem Objekt im Vordergrund ein Umrissstrich hinzugefügt wird, dieser Strich auf dieselbe Farbe wie der Vordergrund gesetzt wird und die Überdruckfunktion aktiviert wird.

Das häufigste Szenario: gelber Text oder ein gelbes Logo auf dunkelblauem oder schwarzem Hintergrund. Da Gelb die hellere Farbe ist, breitet es sich nach außen aus. Die Trapping-Breite (in der Regel 0,08 bis 0,16 mm im Offsetdruck oder 0,15 bis 0,25 mm im Flexodruck) entspricht der Dicke dieses unsichtbaren Umrisses. Das menschliche Auge nimmt einen weißen Spalt, der sich durch das Dunkelblau zieht, viel stärker wahr als eine leichte Verdickung einer hellen Form, sodass die Ausdehnung bei normalem Betrachtungsabstand unbemerkt bleibt.

Der optische Nachteil: Der Überlappungsbereich wird zu einer etwas dunkleren Mischung aus den beiden Farben. Wo Gelb über Dunkelblau verläuft, nimmt die Überlappung einen schwachen Grünstich an. Dies wird durch Farbabschwächung ausgeglichen: In professioneller Trapping-Software wird der überlappende Bereich der helleren Farbe nicht mit 1001 TP3T, sondern mit 401 TP3T bis 601 TP3T ihrer vollen Dichte gedruckt, wodurch der Farbverschiebung abgeschwächt wird, bis sie nicht mehr wahrnehmbar ist. Der genaue Prozentsatz der Farbtönungsreduzierung hängt vom Farbsatz, dem Bedruckstoff und der Trapping-Breite ab. Diese Werte werden für jeden Auftrag kalibriert und nicht einmalig festgelegt und dann vergessen.

Der technische Parameter, der die Ausbreitungsrichtung bestimmt, ist der CIELAB-L*-Wert (Helligkeit) jeder einzelnen Farbe. Es handelt sich dabei nicht um Ihre visuelle Einschätzung auf einem nicht kalibrierten Monitor. Zwei Farben, die mit bloßem Auge in ihrer Helligkeit ähnlich erscheinen, können bei spektralphotometrischer Messung deutlich unterschiedliche L*-Werte aufweisen, und dieser Unterschied bestimmt die Ausbreitungsrichtung. Im Zweifelsfall sollten Sie eine Messung vornehmen.

Choke Verkleinerung des Hintergrunds zum Schutz der Kante

Ein „Choke“ ist das Spiegelbild eines „Spread“. Anstatt den Vordergrund zu vergrößern, verkleinert man die Aussparung im Hintergrund, sodass das dunklere Objekt im Vordergrund leicht über die dafür ausgeschnittene Öffnung hinausragt. Das visuelle Ergebnis ist dasselbe (die dunklere Farbe definiert die Kante), doch die Methode ist eine andere, und in bestimmten Fällen liefert ein „Choke“ ein saubereres Ergebnis als ein „Spread“.

Das klassische Choke-Szenario: Ein dunkelblaues Logo auf weißem oder sehr hellem Hintergrund. Da der Hintergrund heller ist, wird er nach innen ausgeblendet, wodurch das Ausschnittloch effektiv etwas kleiner als das Logo wird. Das dunkelblaue Logo ragt dann um die Breite der Aussparung über den weißen Hintergrund hinaus, und die Kante bleibt scharf.

In der Praxis hängt die Entscheidung zwischen „Spread“ und „Choke“ oft davon ab, welches Element in der Grafik einfacher zu bearbeiten ist. Wenn der dunkle Vordergrund aus einer komplexen Illustration mit vielen Pfaden besteht und der Hintergrund ein einfaches Rechteck ist, ist es weitaus einfacher, den Hintergrund zu verkleinern, als Dutzende einzelner Vordergrundelemente zu vergrößern. Choke-Werte liegen in der Regel 0,02 bis 0,05 mm unter dem entsprechenden Spread-Wert für denselben Auftrag. Das liegt daran, dass eine Schrumpfung des Hintergrunds optisch etwas stärker wahrnehmbar ist als eine Ausdehnung des Vordergrunds. Das Auge verzeiht eine helle Form, die geringfügig größer ist als erwartet, eher als einen hellen Hintergrund, der um dunkle Formen herum nach innen zu „kriechen“ scheint.

Eine flexospezifische Besonderheit: Wenn eine dunkle Vollfläche direkt neben einem hellen Rasterton gedruckt wird, verhindert ein „Choke“, dass die dunkle Farbe physikalisch in die Rasterpunkte an der Grenze überläuft. Dies ist kein Problem der Passgenauigkeit, sondern ein Problem der physikalischen Farbübertragung, und es ist ein Grund dafür, dass das Flexo-Trapping in der Regel mehr manuelle Arbeit erfordert als das Offset-Trapping.

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Überdruck Wenn zwei Farben denselben Platz einnehmen

Der Überdruck ist die einfachste Überdeckungstechnik und paradoxerweise auch diejenige, die am häufigsten falsch angewendet wird. Anstatt an der Grenze eine Überlappungszone zu schaffen, hebt der Überdruck die Grenze vollständig auf: Eine Farbe wird direkt auf die andere gedruckt, ohne dass die darunterliegende Farbe ausgespart wird.

Schwarze Tinte ist der klassische Fall für Überdrucken. Schwarz ist ausreichend deckend, um alles darunter liegende zu verdecken, daher werden schwarzer Text und schwarze Strichzeichnungen fast immer auf Überdrucken gesetzt. Dies ist so üblich, dass die meisten Design-Anwendungen standardmäßig auf „Schwarz überdrucken“ eingestellt sind und die meisten RIP-Workflows 100%-Schwarz automatisch überdrucken, sofern nicht anders konfiguriert. Das Ergebnis: Schwarze Elemente erzeugen niemals Aussparungen, sodass nichts aus dem Register geraten kann.

Die Gefahr besteht darin, dass Designer oder automatisierte Arbeitsabläufe Überdrucken auf nicht-schwarze Elemente anwenden. Ein weißes Objekt, das auf einem dunklen Hintergrund überdruckt wird, verschwindet vollständig. Die weiße Farbe wird gedruckt, aber da sie durchscheinend ist, scheint der dunkle Hintergrund durch und das weiße Objekt verschwindet auf der Druckmaschine. Ein gelbes Objekt, das auf Cyan überdruckt wird, ergibt Grün. Zwei überdruckende Sonderfarben ergeben eine unvorhersehbare dritte Farbe, die niemand festgelegt hat. Diese Fehler gehören zu den teuersten in der Druckvorstufe: Sie sind auf dem Bildschirm unsichtbar, sofern die Überdruckvorschau nicht ausdrücklich aktiviert ist, und zeigen sich erst, wenn der Auftrag bereits auf der Druckmaschine ist.

Metallicfarben verdienen besondere Erwähnung. Metallicfarben (Gold, Silber, Bronze) sind fast vollständig deckend. Sie sollten niemals mit einer anderen Farbe überdruckt werden. Stattdessen müssen alle angrenzenden Farben in Richtung der Metallicfarbe überdruckt werden, unabhängig von ihrer relativen Helligkeit. Die Metallicfarbe definiert die Kante – Punkt.

Der teuerste Fehler in der Druckvorstufe: Weiße Objekte, die auf „Überdrucken“ eingestellt sind, verschwinden im Druck. Die weiße Farbe wird zwar gedruckt, doch da sie durchscheinend ist, scheint der dunkle Hintergrund durch, und das weiße Objekt verschwindet – auf dem Bildschirm ist es nicht zu sehen, es sei denn, die Überdruck-Vorschau ist aktiviert.

Trapping bei verschiedenen Druckverfahren – Ein direkter Vergleich

Dieser Abschnitt bildet den Kern dieses Leitfadens und ist unseres Wissens nach die einzige Stelle im Internet, an der die Anforderungen an die Farbüberlappung aller fünf gängigen Druckverfahren in einer einzigen Übersichtstabelle nebeneinander verglichen werden.

Ihre Beschnittstrategie wird nicht von Ihrer Design-Software vorgegeben. Sie wird von der Druckmaschine bestimmt, auf der der Auftrag gedruckt wird. Bevor Sie sich den folgenden Vergleich ansehen, beantworten Sie bitte drei Fragen zu Ihrer Produktionsumgebung:

  1. Ist Ihre Druckmaschine eine Bogen- oder eine Rollendruckmaschine?
  2. Auf welchem Untergrund drucken Sie – auf beschichtetem Papier, Kunststofffolie, Wellpappe oder Textilien?
  3. Wie hoch ist die typische Passgenauigkeit Ihrer Druckmaschine unter normalen Produktionsbedingungen (nicht die Herstellerangabe unter idealen Testbedingungen)?

Ihre Antworten auf diese drei Fragen entsprechen direkt den Empfehlungen für den Fallwert und den besonderen Hinweisen in der nachstehenden Tabelle.

Dimension Offset-Lithographie Flexodruck Rotationstiefdruck Digital (Toner/Tintenstrahl) Siebdruck
Typische Registrierungsgenauigkeit ±0.03 0.05 mm (sheetfed)
±0,05–0,08 mm (Steg)
±0,10–0,20 mm (Stapelausführung)
±0,05–0,10 mm (Typ-Toleranz)
±0,05–0,10 mm ±0,02–0,05 mm (vernachlässigbarer Versatz zwischen den Farben innerhalb derselben Druckmaschine) ±0,20–0,50 mm (variiert stark je nach Siebspannung und Abstand)
Empfohlene Fallbreite 0,08–0,16 mm (beschichtet)
0,10–0,20 mm (unbeschichtet)
0,15–0,25 mm (Folie/Papier)
0,25–0,40 mm (geriffelt)
0,10 0,20 mm In der Regel nicht erforderlich bei nativer digitaler Ausgabe 0,25 0,75 Punkte (Textilien)
0,15 0,40 mm (starres Substrat)
Herausforderung beim Core-Trapping Das Farb-Wasser-Gleichgewicht beeinflusst die Dimensionsstabilität des Bedruckstoffs; das „Wet-on-Wet“-Verfahren erschwert das Überdruckverhalten Die Dehnung des Bedruckstoffs und die Verformung der Druckplatte sind die entscheidenden Faktoren; CI-Druckmaschinen gewährleisten eine bessere Passgenauigkeit als Stapeldruckmaschinen Der Verschleiß der Chromwalze führt im Laufe des Druckvorgangs zu Schwankungen beim Zellvolumen und beim Punktzuwachs; die Trocknungsgeschwindigkeit des Lösungsmittels beeinflusst die Farbverteilung Elektrofotografische und Tintenstrahlverfahren drucken alle Farben in einem einzigen Durchlauf, wodurch die Passgenauigkeit zwischen den einzelnen Einheiten entfällt Verlust der Siebspannung und Abweichungen des Abstands zum Druckträger im Laufe der Produktionsläufe; dicke Farbaufträge verstärken Passungsfehler optisch
Automatisierungsreife Leistungsstarke In-RIP-Trapping-Engines (Kodak Prinergy, Heidelberg Prinect, Fuji XMF) bewältigen die meisten Offset-Szenarien automatisch Etwa 501 TP3T der Flexodruck-Vorstufe erfordern eine Form des manuellen oder maschinengestützten Trapping; automatisiertes Trapping reicht bei komplexen Verpackungslayouts oft nicht aus Hochspezialisierte Module für die Tiefdruck-Überlagerung in der Druckvorstufen-Software decken die meisten Anwendungsfälle ab; Trocknung und Punktzuwachs sind die wichtigsten Variablen Bei sehr hochwertigen Digitaldruckmaschinen ist kein Farbüberlauf erforderlich; ein Farbüberlauf ist nur dann notwendig, wenn die digitale Ausgabe mit nachgelagerten Druckverfahren kombiniert wird (z. B. Digitaldruck + Flexodruck mit Sonderfarben) Gering Der Großteil der Überdrucke im Siebdruck wird manuell in der Grafiksoftware (Illustrator, CorelDRAW) erstellt
Besondere Hinweise Beim Nass-in-Nass-Druck muss die Überlappungsrichtung so gewählt werden, dass die Klebrigkeit der Druckfarbe und die Übertragungsreihenfolge berücksichtigt werden Ein „Keepaway“- oder „Stayaway“-Choke ist für satte schwarze Ränder unerlässlich; Vignetten dürfen im Flexodruck nicht unter den Punkt 3 4% verblassen; Barcodes müssen zur Bahnrichtung ausgerichtet sein, um die Lesbarkeit zu gewährleisten Für Farbverläufe ist eine Schiebepassung erforderlich; Metallic-Farben erhalten immer eine Passung (niemals überdrucken) Wenn Sie digitale mit konventionellen Nachdruckverfahren (Flexolack, Siebdruck-Metallic) kombinieren, verwenden Sie das Nachdruckverfahren als Referenz für die Überfüllung. Eine deckende weiße Grundierung verzerrt das Bild stärker als die Deckschichtfarben; bei hochdeckenden Farbsystemen müssen die Trapping-Werte unter Umständen verdoppelt werden

Über die Tabelle hinaus sind zwei prozessübergreifende Erkenntnisse besonders hervorzuheben. Beide wirken sich auf Maschinen- und Produktionsentscheidungen aus, nicht nur auf die Einstellungen in der Druckvorstufe.

Erstens hat der Unterschied zwischen Zentraldruck-Flexodruck (CI) und Stapel-Flexodruck erhebliche Auswirkungen auf die Überlappung. Bei einer CI-Druckmaschine wird das Bedruckgut um eine einzige Trommel mit großem Durchmesser gewickelt, um die alle Druckwerke angeordnet sind. Da das Bedruckgut an der Trommel fixiert ist, ist die Passgenauigkeit zwischen den Druckwerken in der Regel zwei- bis dreimal besser als bei einer Stapel-Druckmaschine, bei der die Bahn zwischen unabhängig voneinander positionierten Druckwerken läuft. Das bedeutet, dass eine CI-Flexodruckmaschine mit Überlappungsbreiten am unteren Ende des Flexobereichs (0,10–0,15 mm auf Folie) betrieben werden kann, während eine Stapeldruckmaschine auf demselben Substrat möglicherweise 0,20–0,25 mm benötigt. Die durch die CI-Architektur ermöglichte schmalere Überlappung ist nicht nur ein Vorteil in der Druckvorstufe. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil in Märkten, in denen Käufer die Qualität an der Schärfe von feinem Text und der Sauberkeit von Farbübergängen messen. Jeder Verpackungshersteller sollte diesen Zusammenhang zwischen Druckmaschinenarchitektur und erreichbarer Druckqualität verstehen, bevor er eine Entscheidung über die Anschaffung von Investitionsgütern trifft.

2 3×
höhere Passgenauigkeit bei CI im Vergleich zu Stapelflexodruck
0,10–0,15 mm
Trap-Breite bei CI-Flexodruck (Folie)

Zweitens hat der Digitaldruck das Überdrucken während des Druckvorgangs weitgehend überflüssig gemacht. Doch dieses Versprechen eines überdruckfreien Drucks bricht in dem Moment zusammen, in dem ein digital gedruckter Auftrag einen herkömmlichen Weiterverarbeitungsprozess durchläuft. Ein digital gedrucktes Etikett, das mit einer im Flexodruck aufgebrachten Spotlackierung, einem im Siebdruck aufgebrachten Metallic-Akzent oder einer Folienprägung versehen wird, erfordert an diesen Weiterverarbeitungsschritten ein Überdrucken. In solchen hybriden Arbeitsabläufen ist die Überdruckreferenz stets der herkömmliche Prozess, nicht die digitale Druckmaschine.

Sie prüfen den Einsatz von Flexo- oder Tiefdruckmaschinen für Ihre Verpackungslinie? Passen Sie die Maschinenarchitektur an Ihre Anforderungen hinsichtlich der Überlappung an.
Technische Daten vergleichen

Normen für die Fallbreiten Die richtigen Zahlen finden

Das Wissen darüber, wie das Trapping funktioniert, ist notwendig, aber nicht ausreichend. Irgendwann muss jemand einen Wert für die Trapping-Breite festlegen, und dieser Wert muss stimmen. Ist er zu klein, bleiben Lücken bestehen. Ist er zu groß, entsteht an jeder Farbgrenze ein sichtbarer dunkler Rand. Dieser Abschnitt vermittelt sowohl die Logik als auch die konkreten Referenzwerte.

Die Logik hinter den Zahlen

Die Breite der Spalte ist keine willkürliche ästhetische Entscheidung. Sie wird von vier Variablen bestimmt, und Ihre Aufgabe ist es, zu verstehen, wie jede einzelne dieser Variablen den Wert nach oben oder unten beeinflusst:

Genauigkeit der Presseregistrierung ist die entscheidende Variable. Eine Druckmaschine, die konstant eine Abweichung von ±0,05 mm einhält, kann einen schmaleren Randstreifen verwenden als eine, bei der die Abweichung bei ±0,15 mm liegt. Die allgemein anerkannte Faustregel lautet: Die Mindestbreite des Randstreifens sollte doppelt so groß sein wie die gemessene maximale Passungsabweichung. Wenn Ihr schlimmster Passungsfehler bei einem Produktionslauf 0,08 mm beträgt, stellen Sie Ihren Passungsspielraum auf 0,16 mm ein. Diese „Verdopplungsregel“ bietet eine Sicherheitsmarge, die tägliche Schwankungen, Unterschiede zwischen den Bedienern und den allmählichen Verschleiß der Druckmaschine zwischen den Wartungszyklen berücksichtigt.

Die Formel für die Fallbreite
Falle = 2 × maximale Fehlausrichtung
Wenn der größte mögliche Passungsfehler bei einem Produktionslauf 0,08 mm beträgt, stellen Sie Ihre Passung auf 0,16 mm. Diese Verdopplungsregel bietet eine Sicherheitsmarge, die tagesbedingte Schwankungen, bedienerbedingte Unterschiede und den allmählichen Verschleiß der Druckmaschine zwischen den Wartungsintervallen berücksichtigt.

Substratstabilität ist der Multiplikator. Bei stabilen Bedruckstoffen (beschichtetes Papier in einem klimatisierten Druckraum) sollten Sie sich eng an den Basiswert halten. Bei instabilen Bedruckstoffen (dünne PE-Folie, die im Sommer durch eine nicht klimatisierte Flexodruckhalle läuft) addieren Sie 30% bis 50% hinzu. Bei Wellpappe – dem am wenigsten formstabilen Bedruckstoff, der üblicherweise verwendet wird – verdoppeln Sie den Basiswert.

Rasterweite (lpi) legt die Mindestbreite fest. Eine Überlappung darf nicht schmaler sein als der Durchmesser eines einzelnen Halbtonpunkts bei der verwendeten Rasterweite. Bei 150 lpi hat ein einzelner Punkt einen Durchmesser von etwa 0,17 pt (0,06 mm). Wenn die Überlappung schmaler als dieser Wert ist, wird sie unsichtbar. Sie verschwindet buchstäblich in der Punktstruktur des gedruckten Bildes.

Farbkontrast legt die Obergrenze für die Sichtbarkeit fest. Kontrastreiche Farbkombinationen (Gelb auf Schwarz, Weiß auf Marineblau) machen Lücken für das Auge besser sichtbar, was für eine etwas größere Lücke spricht. Kontrastarme Paare (zwei ähnliche Blautöne) machen die Lücke selbst stärker sichtbar, wenn sie übertrieben werden, was für Zurückhaltung spricht. Wenn eine der Farben Schwarz ist, vergrößern Sie die Lückenbreite um das 1,5- bis 2-fache. Die visuelle Dominanz von Schwarz bedeutet, dass eine weiße Lücke vor schwarzem Hintergrund stärker ins Auge sticht als jeder andere Passfehler.

Prozessspezifische Referenzwerte

Die folgende Referenztabelle enthält Richtwerte für die Passermarken. Dabei handelt es sich nicht um allgemeingültige Konstanten, sondern um Ausgangspunkte für die Kalibrierung. Jede Druckerei sollte eigene Passertests durchführen und die Einstellungen entsprechend anpassen.

Druckverfahren Substrattyp Rasterweite (lpi) Empfohlene Fallrohrbreite (mm) Empfohlene Fallbreite (pt) Anmerkungen
Offset Bogenoffset Gestrichenes Papier (glänzend/seidenmatt) 150–175 lpi 0,06–0,10 mm 0,17 0,28 Punkte Die kleinste praktikable Falle für hochwertige gewerbliche Arbeiten
Offset Bogenoffset Ungestrichenes Papier 120–150 lpi 0,10 0,15 mm 0,28 0,43 Punkte Ein größerer Filter gleicht die höhere Saugfähigkeit und die Dimensionsinstabilität aus
Offsetdruck Rollenoffset (Heatset) Gestrichenes Papier 133–150 lpi 0,08 0,12 mm 0,23 0,34 Punkte Die Bahnspannung führt eine Variable für die Längsregisterung ein
Flexo CI-Presse Folie (PE, PP, PET) 100 133 lpi 0,10 0,18 mm 0,28 0,51 Punkte Die CI-Architektur ermöglicht engere Passungen als das Stapelflexodruckverfahren
Flexo CI-Presse Papier 100–120 lpi 0,12 0,20 mm 0,34 0,57 Punkte Papier ist im Flexodruck weniger formstabil als Folie
Flexo Stack Press Film 85–110 lpi 0,18 0,25 mm 0,51 0,71 Punkte Abweichungen bei der Registrierung der Stapelpresse erfordern eine größere Sicherheitsmarge
Flexo Stack Press Wellpappe 55–85 lpi 0,25–0,40 mm 0,71 1,14 Punkte Die gängigsten Trap-Werte; die gröbsten Rasterweiten
Tiefdruck Folie (PE, PP, PET) 100–150 lpi 0,10 0,18 mm 0,28 0,51 Punkte Die Passgenauigkeit beim Tiefdruck ist gut, doch die Lösungsmitteltrocknung führt zu Schwankungen
Tiefdruck Papier 100 133 lpi 0,12 0,20 mm 0,34 0,57 Punkte Die Maßänderung des Papiers während des Trocknungsprozesses muss berücksichtigt werden
Digital k. A. (nativer Digitalausgang) k. A. Nicht erforderlich Nicht erforderlich Nur erforderlich, wenn der Digitaldruck mit herkömmlichen Weiterverarbeitungsprozessen kombiniert wird
Bildschirm Textil (Baumwolle, Polyester) 45–85 lpi 0,18–0,35 mm Ein halber Punkt, ein Punkt Größere Filter für hochdeckende Druckfarben und grobe Maschenweiten
Bildschirm Fester Untergrund (Acryl, Metall, Glas) 65 100 lpi 0,10 0,20 mm 0,28 0,57 Punkte Starre Trägermaterialien verhindern ein Ausdehnen des Stoffes; es können engere Trapezformen verwendet werden

Sonderfälle, die von den Regeln abweichen

Drei Szenarien überraschen selbst erfahrene Druckvorstufenmitarbeiter regelmäßig, da sie der üblichen Logik widersprechen:

Tiefes Schwarz Schwarze Tinte, die durch einen Anteil an Cyan, Magenta oder Gelb im Hintergrund verstärkt wird, um ihre optische Dichte zu erhöhen, ist eine sogenannte „Trapping-Falle“. Das Problem: Wenn die darunterliegenden CMY-Farben bis an den Rand der schwarzen Form reichen und es zu einer Verschiebung in der Druckmaschine kommt, blitzt ein farbiger Rand (typischerweise Cyan oder Magenta) unter dem Schwarz hervor. Die Lösung ist ein Keepaway-Choke (auch Stayaway-Choke genannt): Schieben Sie die darunterliegenden CMY-Farben um 0,08 bis 0,15 mm vom schwarzen Rand zurück, sodass nur reines Schwarz die sichtbare Grenze definiert. Die Standardformel für Rich Black lautet 100K + 40C, aber verschiedene Druckereien verwenden unterschiedliche Rezepturen. Klären Sie dies immer mit Ihrem Prepress-Anbieter ab.

Metallic-Farben Die übliche Luminanzregel gilt hier umgekehrt. Metallic-Farben sind äußerst deckend. Angrenzende Farben können nicht darüber gedruckt werden, da keine Transparenz vorliegt. Stattdessen müssen alle nicht-metallischen Farben in Richtung der Metallic-Farbe überdruckt werden, unabhängig davon, welche heller oder dunkler ist. Die Metallic-Farbe definiert die sichtbare Kante – Punkt. Dies gilt gleichermaßen für Gold, Silber und jede beliebige individuelle Metallic-Mischung.

Farbverläufe und Vignetten Verlangen Sie eine gleitende Überlagerung – eine Überlagerung, deren Breite sich entlang der Länge des Farbverlaufs proportional zur lokalen Farbdichte ändert. Wo der Farbverlauf dunkel ist, ist die Überlagerung schmaler. Wo er ausläuft, wird die Überlagerung breiter. Dies ist rechnerisch nicht trivial und kann in Adobe Illustrator oder InDesign nicht nativ durchgeführt werden. Es erfordert spezielle Trapping-Software (Esko ArtPro+, Kodak Prinergy, Hybrid PACKZ oder gleichwertige Programme) mit gradientenfähigen Trapping-Algorithmen. Im Flexodruck gilt eine zusätzliche Gradientenregel: Eine Vignette darf niemals unter eine Rasterdeckung von 3% bis 4% verblassen. Flexodruckplatten können Punkte unterhalb dieses Schwellenwerts nicht zuverlässig halten, und das daraus resultierende „Punktbrückenbilden“ erzeugt eine unschöne harte Kante, wo der Farbverlauf eigentlich sanft auf Null auslaufen sollte.

Tiefes Schwarz
Verwenden Sie einen „Keepaway“-Choke: Versetzen Sie die zugrunde liegenden CMY-Farben um 0,08 bis 0,15 mm vom schwarzen Rand zurück, sodass nur reines Schwarz die sichtbare Begrenzung bildet.
Metallic-Farben
Alle nichtmetallischen Farben müssen unabhängig von ihrer Helligkeit in Richtung der Metallic-Farbe überlaufen. Die Metallic-Farbe bestimmt die optische Kante – Punkt.
Farbverläufe
Verwenden Sie eine gleitende Trapping-Funktion, deren Breite sich entlang des Farbverlaufs proportional zur lokalen Farbdichte ändert. Hierfür ist eine spezielle Trapping-Software mit Algorithmen erforderlich, die Farbverläufe berücksichtigen.

Warum die Entwässerung für Ihren Produktionsertrag entscheidend ist

Das Thema Überlappung mag auf den ersten Blick wie eine rein technische Angelegenheit erscheinen – ein Problem für den Druckvorstufenmitarbeiter, das irgendwo zwischen dem Dateieingang und der Plattenausgabe gelöst wird. Aus produktionswirtschaftlicher Sicht ist die Überlappung jedoch ein direkter Kostenfaktor. Sie wirkt sich auf die Ausschussquote, die Maschinenauslastung und die Freigabezyklen der Kunden aus – und für Verpackungshersteller, die in neue Anlagen investieren, auf die langfristige Rentabilität einer sechs- oder siebenstelligen Investitionsentscheidung.

Arbeiter der KETE-Gruppe bedienen Hochgeschwindigkeitsmaschinen

Die wahren Kosten unsachgemäßer Fallen

Stellen Sie sich eine Flexo-Verpackungsanlage vor, die einen 6-Farben-Auftrag auf dünner PE-Folie mit einer Geschwindigkeit von 200 m/min verarbeitet. Ein typischer Hersteller flexibler Verpackungen führt pro Monat 30 bis 50 solcher Aufträge auf mehreren Druckmaschinen durch. Wenn die Überlappung durchgehend um nur 0,05 mm zu gering ausgelegt ist, braucht es nicht viel, bis weiße Lücken entstehen. Ein Spannungsspitzenwert. Eine Schwankung der Luftfeuchtigkeit. Eine ältere Druckplatte, die an Härte verloren hat. Wenn Lücken entstehen, ist das gesamte Rollenabschnitt Ausschuss.

Branchenangaben zufolge liegen die Ausschussraten im Verpackungsdruck im Durchschnitt bei 31 % bis 51 % des gesamten Materialdurchsatzes, wobei registerbedingte Fehler (einschließlich Fehlern bei der Überfüllung) etwa 20 % bis 30 % dieses Ausschusses ausmachen. Für einen mittelgroßen Verarbeiter, der monatlich 500.000 Laufmeter Folie bei durchschnittlichen Materialkosten von 1,40 bis 0,15 pro Meter verarbeitet, bedeutet dies allein an registrierungsbedingtem Materialabfall 1.445 bis 1.411,25 pro Monat. Darin nicht enthalten sind die Arbeitskosten für Nacharbeiten, die durch Neustarts verlorene Maschinenzeit oder – am schmerzlichsten – der Verlust an Kundenvertrauen, wenn sich eine Lieferung verzögert, weil ein Auftrag neu gedruckt werden musste.

$4,500 $11,250
monatlicher Materialabfall aufgrund von Registrierungsfehlern
für einen mittelgroßen Konverter mit einer Leistung von 500.000 Laufmetern pro Monat

Präzision der Ausrüstung als Fangstrategie

Hier ist ein Zusammenhang, der selten thematisiert wird, aber für Kaufentscheidungen im Maschinenbau von großer Bedeutung ist: Die Passgenauigkeit einer Druckmaschine und die Überlappungsbreite stehen in umgekehrtem Verhältnis zueinander. Eine Druckmaschine mit einer Passgenauigkeit von ±0,05 mm kann eine Überlappung von 0,10 mm verwenden. Eine Druckmaschine mit einer Passgenauigkeit von ±0,15 mm benötigt eine Überlappung von 0,30 mm. Der Unterschied (0,20 mm zusätzliche Überlappung) mag trivial klingen, schränkt jedoch direkt die kleinste druckbare Detailgröße ein. Feiner Text, kleine Negativauszüge, filigrane Linien und Rasterdrucke mit hoher LPI-Zahl werden unmöglich, wenn der Überdruck einen erheblichen Teil der Detailgröße einnimmt.

Aus diesem Grund ist die Wahl der Druckmaschinenarchitektur implizit auch eine Entscheidung darüber, welche Druckqualität der Verarbeiter bieten kann. CI-Flexodruckmaschinen liefern dank ihrer Ein-Trommel-Substratsteuerung durchweg eine 2- bis 3-mal höhere Passgenauigkeit als Stapeldruckmaschinen. Der durch die CI-Architektur ermöglichte schmalere Überdruck ist nicht nur ein Vorteil in der Druckvorstufe. Er ist ein Wettbewerbsvorteil in Märkten, in denen Käufer die Qualität an der Schärfe von feinem Text und der Sauberkeit von Farbübergängen messen. Ebenso können moderne servogesteuerte Tiefdruckmaschinen mit automatischer Registerregelung eine Genauigkeit von ±0,05 mm über eine gesamte Rolle hinweg aufrechterhalten, was Überdruckwerte am unteren Ende des Tiefdruckbereichs ermöglicht und die gestaltbare Komplexität jedes Auftrags erweitert.

Bei der Beschaffung von Flexo- und Tiefdruckmaschinen sollte die Bewertung der angegebenen Passgenauigkeit der Druckmaschine und – was noch wichtiger ist – ihrer tatsächlichen Passgenauigkeit über längere Auflagen hinweg neben Geschwindigkeit, Druckbreite und Trocknerkapazität Teil der technischen Bewertung sein. Die Breite der Überlappung, die Sie drucken können, hängt direkt von der Präzision der Druckmaschine ab, in die Sie investieren. Maschinenhersteller, die maßgeschneiderte Maschinenlösungen mit flexiblen Verpackungsanlagen aus einer Hand anbieten, können Verarbeitern dabei helfen, diese Variablen bereits in der Spezifikationsphase zu bewerten und die Druckmaschinenarchitektur an die Präzisionsanforderungen ihrer angestrebten Druckaufträge anzupassen.

Einführung eines Standards für die Erfassung in Ihrem Unternehmen

Die Maßnahme mit dem größten Nutzen, die die meisten Druckereien zur Senkung der Überlappungskosten ergreifen können, kostet nichts: die Festlegung eines Standards für Überlappungen. Ein einseitiges Dokument, in dem die Überlappungsbreiten nach Druckmaschine, Bedruckstoff und Farbszenario festgelegt sind, macht die Überlappung von einer Frage der individuellen Intuition des Bedieners zu einem wertvollen Unternehmensgut.

Ein Überdruckstandard sollte mindestens folgende Angaben enthalten: die Standard-Überdruckbreite für jede Druckmaschine-Substrat-Kombination in Ihrem Betrieb; die Sicherheitsabstandsspezifikation für Volltöne; die Überdruckregel für Metallic-Farben; den Mindestpunktanteil für Flexo-Vignetten; sowie eine klare Anweisung, dass jede Abweichung von einem Vorgesetzten genehmigt werden muss. Dieses Dokument muss nicht umfangreich sein, aber es muss vorhanden sein, in der Produktion zugänglich sein und durchgesetzt werden.

Dein Fang-Standard 5 Artikel
Standard-Randabstand für jede Kombination aus Druckmaschine und Bedruckstoff in Ihrem Betrieb
Keepaway-Spezifikation für satte Schwarztöne
Regel für den Farbüberlauf bei Metallic-Farben
Mindestpunktanteil für Flexodruck-Vignetten (niemals unter 3 4%)
Eindeutige Anweisung, dass jede Ausnahme von einem Vorgesetzten genehmigt werden muss

Der Nutzen: weniger Druckunterbrechungen aufgrund von Überdrucken, weniger Materialverschwendung durch Versuch-und-Irrtum-Anpassungen der Überdruck-Einstellungen, ein schnellerer Durchlauf in der Druckvorstufe (die Bediener halten sich an eine Vorgabe, anstatt bei jeder Datei nach eigenem Ermessen zu entscheiden) und eine stärkere Verhandlungsposition im Gespräch mit den Kunden. „Wir drucken nach dokumentierten Überdruckstandards“ hat bei einem Lieferanten-Audit ein ganz anderes Gewicht als die Aussage „Unsere Leute wissen, was sie tun“.


Referenzen

  1. Flexographic Technical Association (FTA). „FIRST – Spezifikationen und Toleranzen für die flexografische Bildwiedergabe.“ https://www.flexography.org/
  2. Kodak. „Prinergy Workflow-Hilfe – Trap-Werkzeug.“ https://workflowhelp.kodak.com/
  3. Adobe Systems. „Ein Leitfaden zum Trapping.“ https://www.adobe.com/studio/print/pdf/trapping.pdf
  4. ISO. „ISO 12647-2: Drucktechnik – Prozesssteuerung für die Herstellung von Halbton-Farbseparationen.“ https://www.iso.org/standard/75372.html
  5. Smithers. „Die Zukunft des Verpackungsdrucks bis 2028.“ https://www.smithers.com/
  6. Screen Printing Magazine. „So werden Vorlagen für den Siebdruck angepasst.“ https://screenprintingmag.com/how-to-trap-artwork-for-screen-printing-4-essential-steps-to-avoid-gaps-and-misregistration/
  7. Algonquin-Design. „Fallenstellen.“ https://cg.algonquindesign.ca/information/trapping
  8. KETE GROUP. „Flexo- und Tiefdruckmaschinen.“ https://www.ketegroup.com/
  9. KETE GROUP. "Kontakt". https://www.ketegroup.com/contact/
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